Dorfgeschichte
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Ortsgeschichte der Dorfgemeinde Irlach (Stand: Dezember 1932)
Bezirkamt Oberviechtach
Zusammengestellt vom dem Volksschullehrer Leonhard Daiminger.
1. Irlach, ein Dorf mit 46 Hausnummern und 260 Einwohnern, in der östlichen Oberpfalz, nahe der tschechischen Grenze gelegen, gehört zum Bezirksamt und Amtsgericht Oberviechtach und zum Finanzamt Neunburg vorm Wald. Die Bewohner sind ohne Ausnahme katholisch und gehören zur Pfarrei Tiefenbach, Früher war das zuständige Postamt für Irlach in Winklarn von wo aus die Postboten weite Strecken zu begehen hatten. Erst seit 1894 / 1895 wurde diesem Übelstand abgeholfen und die Gemeinde Irlach dem Postbezirk Tiefenbach einverleibt. Die Briefträger Tiefenbachs begehen täglich zu zweit abwechselnd die Strecken: Tiefenbach – Einöde Plößhof – Stein (Zur Pfarrei Hiltersried gehörend) – Katzelsried – Irlach – Hoffeld und Altenschneeberg. Diese Strecken bedeuten immerhin in Winterszeit einen Weg, der sechs bis sieben Stunden in Anspruch nehmen kann.
2. Die zum weitaus größten Teil alteingesessenen Bewohner Irlachs sind durchaus Landwirte mit mittlerem Grundbesitz. An Gewerbetreibenden sind vorhanden:
2 kleine Krämereien, 1 Gastwirtschaft, die in den Wintermonaten Metzgerei betreibt,
1 Schmid, 1 Schreiner, 1 Schuhmacher und 1 Sattler.
Die Not der Zeit nach dem unglücklichen Weltkriege ging auch an unserer Gemeinde nicht spurlos vorüber. Die jüngere Generation bis zu ungefähr 25 bis 30 Jahren, die in besseren Tagen ein Handwerk erlernte, ist zum größten Teil gezwungen, dieses Brach liegen zu lassen und sich nach Gelegenheitsarbeiten umzusehen. Die meisten unserer Jungen verdingen sich alljährlich nach dem Gäuboden, wo sich während der Erntemonate durch ihrer Hände Fleiß ihr Zehrgeld für den langen und strengen Winter zu verdienen suchen.
3. Unsere Gemeindeflur.
„Was du ererbt von deinen Vätern hast“, sagt ein Dichter, “erwirb es, um es zu besitzen“. In zähen Kämpfen nahmen unsere Ahnen den Heimatboden. Sie haben mit Schaufeln und Pflug den Boden geebnet, die Sümpfe getrocknet und die Wälder gelichtet. Wieviel Schweiß und Blut und hartes Ringen mag unser Flur bis auf den heutigen Tag gekostet haben? Ist auch schwer die Zeit und groß die Not, wir Bauern Irlachs erkämpften uns doch unseren Boden an jeden Tag. Und stecken wir auch inmitten der armen Steinpfalz, was wir zum Leben brauchen, muss sie uns geben. Wie unser Ort, so wurde auch unsere Heimatflur von unseren Vätern geschaffen. Wohl hat sich ihr Gesicht bis heute verändert. In den Wäldern finden wir neben ausgesprochenem Wildland mit seinen rauhen unebenen Bodenflächen auch altes Kulturland eben und glatt wie eine Wiesenfläche. Manchmal sind es jüngere Waldkulturen, meist uraltes Ackerland, dass unsere Ahnen aufgegeben haben, nachdem die Erde abgebaut war. Die Wiesenanteile der Gemeinde Irlach ziehen sich hinunter bis zur Grenze der Bezirksämter Oberviechtach – Waldmünchen bis zu sogenannten „Lohe“ und zur Sägenmühle. Die Flächen in dieser Richtung sind ziehmlich nass und mit viel Torfboden durchzogen. Der Torfstich wird daher eifrig gepflegt und alljährlich wandern Tausende von Torfstücken dem häuslichen Herde zu. Die übrigen Wiesenböden unserer Heimatflur sind erfreulicher Weise gut und geben ein gesundes Heu und Grummet. Die Felder, besonders von der Nord-Seite Irlachs waren in früheren Jahren äußerst steinig und sind es auch zum Teil heute noch. Nur der unermüdliche Fleiß ihrer Besitzer hat sie zu einem wertvollen Kulturland umgewandelt. Die Wälder, die gleichsam den Grundstock des bäuerlichen Besitztums bilden, liefern gutes Bau- und Brennholz und wertvolle Streu, Beeren und Pilze neben Reisig eine Nebenverdienstquelle der arbeitslosen Irlacher.
Eine Zusammenstellung unserer Heimatflur aus dem Jahre 1844 wolle hier Platz finden.
Zusammenstellung des Heimatflurs aus dem Jahr 1844:
a) Flächeninhalt:
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Haus- und Hofraum im Ganzen: |
3 Tgw. |
68 Dez |
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Pflanz- und Grasgärten |
2 Tgw. |
40 Dez |
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Äcker |
422 Tgw |
75 Dez |
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Wiesen |
275 Tgw |
86 Dez |
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Waldungen |
381 Tgw |
63 Dez |
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Ödungen |
32 Tgw |
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Straßen + Wege |
23 Tgw |
65 Dez |
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Gewässer- und Weiher |
1 Tgw |
54 Dez |
b) Häuser, Städel, Schupfen im Ganzen: 42
Familienhäupter: 73
Seelenhäupter: 300
4. Schulwesen:
Vor 50 Jahren noch mussten die Kinder Irlachs die Schule in Haag bei Muschenried besuchen. Den vorhandenen Akten ist zu entnehmen, dass zu damaliger Zeit die Schule Haag unter großen Mängeln zu leiden hatte. Das Schulzimmer war baufällig, die Lehrerwohnung nicht bewohnbar, der Ofen im Schulzimmer in einer Verfassung die lebensgefährlich erschien und der Boden war von Tieren, die durch nicht verschließbare Fenster und Türen eindringen konnten, gesundheitsschädlich verunreinigt. Von einer Heizung im Winter konnte keine Rede sein. Unter diesen menschenunwürdigen Verhältnissen ist es nicht zu verwundern, dass die Bewohner Irlachs den Bau einer eigenen Schule anstrebten. Dazu kamen noch die unzulänglichen Wegverhältnisse nach Haag im Winter, wo die Schüler nicht selten durch baumhohe Schneewehen waten mussten und bis auf den Körper durchnässt den ganzen Tag im kalten Schulzimmer verbringen mussten. Nach vielen Beschwerden und Eingaben an die damals zuständigen Behörden gelang es Irlach, endlich den Bau eines eigenen Schulhauses zu beginnen.
5. Schule in Irlach:
Das Schulhaus wurde im Jahr 1884 erbaut, ist einstöckig und Eigentum der Gemeinde Irlach, die die Baulast hat. Das Schulzimmer zur ebenen Erde, hat Fenster und ist sehr trocken. Zur Beheizung desselben gibt die Schulgemeinde Irlach 5 Klafter = 15 Ster klein gespaltenes Holz. Die Wohnung des Lehrers erhält zu ebenen Erde ein Wohnzimmer mit 3 Fenstern, ein Schlafzimmer heizbar mit 1 Fenster, eine Küche und 1 Fenster, einen geräumigen Keller und 2 Aborte für die Schulkinder, dann über die Stiege ein nicht heizbares und ein heizbares Zimmer mit je 1 Fenster, beide von gleicher Größe, einen geräumigen Dachboden und 1 Abort. Das Nebengebäude, bestehend aus Backofen, Waschhaus und Holzlager, steht isoliert unter einem Dache. Die Gebäulichkeiten kommen auf 9110 M zustehen. Nach Beschluss der Gemeinde Irlach wurden die Deckungsmittel zum Neubau eines Schulhauses das selbst aus dem hiesigem Gemeinde- und Schulhausvermögen erschöpft, ein ergiebiger Zuschuss aus dem Kreisfond erhalten und das übrige aus der bayerischen Hypotheken- und Wechselbank aufgenommen. Später wurde beschlossen, dass 7000 M von der bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München zum Schulhausneubau aufzunehmen, und beim kgl. Bezirksamte Neunburg vorm Wald hinterlegt sind.
Den Bauunternehmen Michael und Nikolaus Vogl von Hammer-Tiefenbach wurde vom besagten Anlehen von ihrem Submissionsangebot von 9110, 36 M das erste Drittel von 3000 M durch das kgl. Bezirksamt Neunburg vorm Wald ausbezahlt. Laut bezirksamtlicher Zuschrift vom 20. Mai 1882 wurde zur Eröffnung der eingereichten Submission auf den Schulhausneubau und zur Erteilung des Zuschlags auf Samstag den 31. Mai vorm. 8 Uhr im Wohnhaus des Bürgermeisters Fischer von Irlach Termin anberaumt. Zu dieser Verhandlung fand sich der damalige kgl. Bezirksamtmann Flusser von Neunburg vom Wald zur bestimmten Stunde ein und ferner hatten gegen unterschriftlichen Nachweis zu erscheinen: Der Bürgermeister, die 4 Bevollmächtigten, sowie der gewählte Bauausschuss, nämlich Bürgermeister Fischer, die Bevollmächtigten Eiber, Kärtner, Johann Reitinger und Konrad Gerzer.
Submissionen auf dem Schulhausneubau sind nur drei eingelaufen. Der Bau wurde wie schon erwähnt, dem Michael Vogl und dessen Sohn Nikolaus Vogl von Hammer - Tiefenbach unter gemeinschaftlicher solidarischer Haftung überwiesen. Dieselben erklärten, dass sie sich verpflichten, dem Schulhausneubau genauest nach dem von ihnen eingesehen Bauplänen, Kostenvoranschlägen und Akkordbedingungen meisterhaft und probehaltig auszuführen. Die Bauleistung und Kontrolle wurde dem Distriktstechniker Laubmeier von Neuburg vorm Wald übertragen.
6. Grundabtretungen zum Schulhausneubau
Der Bauer Johann Reitinger von Irlach hat sich mit der Abtretung des erforderlichen Grundstücks für den Schulhausneubau von seinem von seinem Grundstück Pl. Nr. 185 einverstanden erklärt und sich mit vereinbarten Entschädigung von 4 M pro dezimale zufrieden gestellt. Die Vermessung der erforderlichen Fläche, die Vermarkung derselben und die notarielle Verlautbarung erfolgten auf Kosten der Schulgemeinde.
Vermessen wurden:
Von Plan Nr. 185 zu den Gebäulichkeiten 7 dezimale = 0,024 ha.
Von Plan Nr. 185 ½ 36 dezimale = 0,123 ha im Ganzen also 43 dezimale = 0,74 ha.
Im Spätsommer des Jahres 1885 wurde auf Anregung des kgl. Bezirkamtes Neunburg vorm Wald ein neue r Schulgarten an das Schulhaus an das angrenzend hergestellt. Der damalige kgl. Bezirkamtmann Flusser von Neunburg vorm Wald hat sich ungeachtet seiner schwierigen, segensreichen Amtsführung in sachkundiger Weise um die Erbauung des Schulhauses in Irlach angenommen und sich bleibende Verdienste und dadurch die Hochachtung und den Dank der Schulgemeinde Irlach erworben. Mit dem 1. Oktober 1900 wurde der Distrikt Oberviechtach vom Bezirksamte Neunburg vorm Wald getrennt und für denselben zu Oberviechtach ein eigenes Bezirksamt errichtet. Seitdem gehört die Gemeinde Irlach zum nunmehrigen Bezirksamt Oberviechtach.
7. Wohlfahrtseinrichtungen in Irlach:
a. Volksgesundheit betreffend: Fleischbeschauer ist der derzeitige Landwirt Joseph Scharnagl, der alle zu schlachtende Tiere vor uns nach der Schlachtung zu besehen hat und sich durch sein Gutachten (soweit nicht der Tierarzt in Frage kommt) dem Verkauf oder die Überlassung an Wasenmeister Anordnen kann.
b. Leichenschau: Früher war der zuständige Leichenbeschauer in Winklarn Durch die Ganggebühren von Winklarn nach Irlach waren die früheren Leichenbeschauer ein teueres, daher beim Volke unliebsame Erscheinung. Seit 1932 hat Irlach seinen eigenen Leichenbeschauer und zwar den Landwirt Joseph Rückerl von hier, dem die Orte Irlach, Hoffeld und Altenschneeberg zustehen.
c. Ein Gemeindehaus (Hirtenhaus) dient zur Aufnahme armer Familien denen Teile von Gemeindegrund zur eigenen Bewirtschaftung ausgewiesen werden können. Die Empfänger solcher Unterstützung können zu Arbeiten in der Gemeinde herangezogen werden (z.B. Schulreinigung u.s.w.).
8. Heimatsitten und Bräuche:
Unsere Vorfahren hielten mehr auf gute Sitten als auf Gesetze. Sitten waren ungeschriebene Gesetze, die sich das Volk selbst gab, deren Übertretung nicht mit richterlichen Strafen, wohl aber mit der Verachtung des Volkes gesühnt wurden. Im Laufe der Jahrhunderte haben manche Sitten und Bräuche ihr altes Kleid um ihren wirklichen Sinn verloren. Sie werden darum vielfach nicht mehr verstanden. Die Sitten sind aufs engste verbunden mit Heimaterde, mit Heimatmenschen und mit der Religion. Sie loslassen zu wollen von diesen Grundlagen hieße ihnen die Seele nehmen. Eine Reihe schöner Heimatsitten bringt in unsere Gemeinde der Jahren lauf, angefangen mit dem Kirchenjahr. Am 5.Dezember kommt in den Abendstunden der Nikolaus. Die ist eine verkleidete Person, die entweder als heiliger Nikolaus oder als Knecht Ruprecht zu den Kindern kommt. Der heilige Nikolaus, angetan mit weißer Kutte, trägt eine nachgebildete Bischofsmütze (Winter) auf dem Haupte und den oben gebogenen Stab in der Hand. Würdevoll auftretend erkundigt er sich über Fleiß und Betragen der Kinder, lobt und mahnt sie und verschenkt seine Gaben. Der Knecht Ruprecht dagegen besucht bösartige Kinder, um sie mit Sack, Rute und Kettengeklirr einzuschüchtern. Den Höhepunkt von den Wintersfesten bilden die Weihnachtstage mit dem bunt geschmückten Christbaum, den reichen Geschenken, dem Kripplein und der mitternächtlichen Christmette. Jung und Alt wandert um Mitternacht von 24. auf 25. Dezember durch oft meterhohen Schnee von Irlach nach Tiefenbach, um der Hirtenmesse beizuwohnen. Der uralte Brauch, durch Bleigießen und Pantoffelwerfen die Zukunft zu erraten, wird jetzt nicht mehr geübt, wohl aber kann man sich von manchen unseren Dorfalten manch lustig – schöne Geschichte aus früheren Tagen erzählen lassen. Zu den Weihnachtsfesten fällt das Neujahr, Früher knallten die Pistolen, um die bösen Geister zu bannen und das alte Jahr zu verscheuchen. Heute kennt man diesen Brauch nur mehr vom Hörensagen. Dafür wünschen sich die Bewohner gegenseitig „a guat`s neis Jahr.“
Am Dreikönigstag (6. Januar) schreibt der Vater oder die Mutter mit geweihter Kreide die Anfangsbuchstaben der drei Könige und die Jahreszahl an die Türen (19K+M+B33), besprengt mit geweihtem Wasser Mensch und Tier und räuchert mit Weihrauchkörnern die Räume aus. Auch das Vieh wird an diesem Tag bedacht. Geweihtes Salz, Brot, Wasser und geweihte Heublumen kommen unter das Viehfutter. Diese Sachen bringen den Segen Gottes in das Haus und bannen die Macht des Bösen. Das ist der Glaube des Volkes. Mitten in der Winterszeit fällt Maria Lichtmess (2. Februar) mit der Wachsweihe und dem Kerzenopfer. Am 2. Februar verlassen die Dienstboten ihre Dienststellen. Für sie beginnt „Schlenkelzeit“, das ist die Zeit, in der sie nichts arbeiten müssen. Diese Zeit dauert bei uns etwa eine Woche. Mit dem Aschermittwoch beginnt neue ernste Zeit. An diesem Tage lassen sich die Gläubigen in der Kirche einascherln (mit geweihter Asche segnen). Am Palmsonntag werden die Palmkätzchen geweiht, geweihte Kätzchen gegessen und dem Vieh eingegeben. Andere kommen schon geschmückt in Herrgottseck. Am Karsamstag ist die Feuer- und Wasserweihe und am Ostersonntag die Speiseweihe. Geweihte angebrannte Holzstückchen werden auf die Felder getragen und an den vier Ecken in den Boden gesteckt. Dazu werden Äcker, Felder und Wiesen mit Weihwasser besprengt. Am Markustag (25.April) wallfahren die Gläubigen der Pfarrei Tiefenbach nach Treffelstein und die Bewohner Treffelsteins nach Tiefenbach. Alljährlich am 1. Sonntag nach Christihimmelfahrt findet in Irlach Kirchweih statt, die so genannte „Frühlingskirwa“. Einige Tage zuvor schon beginnen die Vorbereitungen zu diesem Feste. Da wird geputzt und gefegt, gewaschen und gescheuert. Reges Leben herrscht am Vortag der Kirchweih beim Küchelbacken. Endlich kommt der lang ersehnte Tag selbst. Da geht es dann lustig und hoch her im Dorfkrug. Bei fröhlicher Musik dreht sich Jung und Alt im Kreise. Schade nur, dass die alten Volkstänze im Aussterben begriffen sind und sich die freien, modernen Tänze immer mehr verbreiten. Nicht selten dauert diese Kirchweih bis in die Morgenstunden des Dienstag hinein. Eine zweite Kirchweih „Allweltskirchweih“ genannt, findet noch im Oktober statt. Als fernere, ins alltägliche übergehende Bräuche sind noch zu nennen: Bei Brotbacken werden vor dem Einschießen drei Kreuzzeichen auf dem Laib gemacht, ebenso vor dem Aufschneiden des Brotes.
Vor dem Ausbuttern gibt die Mutter Weihwasser in das Butterfass.
Tod: In Ermanglung eines Leichenhauses werden in unserer Gemeinde die Verstorbenen auf ein Brett (Totenbrett) und im Hause aufgebahrt. An den Abenden vor der Beerdigung findet die Totenwache statt. Den Hinterbliebenen will man dadurch die langen Nächte verkürzen. Nach der Einsegnung des Toten wird das Brett mit einem sinnvollen Spruch versehen und zur Erinnerung an den Verstorbenen an Zäunen, Kapellen oder Bäumen befestigt.
Nicht zu vergessen ist das Johannisfeuer, das am Abend des 24. Juni unter fröhlichem Gesang und Jubel abgebrannt wird. Leider kommen dabei die alten Bräuche des Feuerhüpfens, hübschen Ansprachen immer mehr in Vergessenheit.
9. Feuerwehr und Feuerwesen
Zur Zeit der Gründung unseres Heimatdorfes Irlach waren die Häuser nur notdürftig gebaut, ihre Dächer mit Stroh oder Schindeln bedeckt und alle An- und Nebenbauten feuergefährlich angelegt. Dies erkennen wir ganz deutlich an einigen noch vorhandenen Überresten aus der Zeit. Trotzdem aber sind in unseren Gemeindeakten keine Berichte über Feuersbrünste u. dgl. zu lesen. Auch durch eingehende Umfragen bei den Dorfältesten konnte über derlei Unglücksfälle nichts in Erfahrung gebracht werden. Dieser glückliche Umstand ist wohl der umsichtigen Gemeindeverwaltung zuzuschreiben, die des öfteren eine gründliche Feuerbeschau in allen Gebäulichkeiten anordnete. Zur Verhütung von Brandunfällen und Einbrüchen wurde in früheren Jahren die „Stillwache“ eingeführt. Abwechslungsweise mussten jede Nacht zwei Männer aus dem Dorfe die Stillwache halten. Ausgerüstet mit Horn, Feuerhake und Laternen schritten die beiden von Stunde zu Stunde das Dorf ab jeden Winkel und jede Gasse genau absuchend. Hatten sie unterwegs Verdächtiges gefunden, dann stießen sie in ihr Horn um so sie Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf sich zu lenken. Diese Stillwache = Gewaltigen unterstanden einer scharfen Kontrolle durch die Gendarmerie. Wohl mag es manchmal vorgekommen sein, dass einer der Nachtwächter in besonders ruhigen, winterlichen Zeiten das warme häusliche Bett dem unangenehmen Umherstreifen in der kalten stürmischen Nacht vorzog. So geschah es nicht selten, dass der zur Kontrolle der Nachtwächter abgeordnete Gendarmeriebeamte auch die Wohnung eines etwaigen „Drückebergers“ aufsuchte, um der vielleicht noch vorhandenen Bettwärme dessen Diensteifergrad abzuschätzen. Aber auch die Einrichtung der Stillwache konnte im Laufe der Zeiten nicht als vollkommene Sicherheit betrachtet werden. Als vor etwa vierzig (40) Jahren in dem Anwesen des Johann Scheuerer (genannt „Fink“) ein Brand ausbrach, dem die gesamte Einrichtung zum Opfer fiel, erkannte man allgemein den Mangel einer eigenen Feuerwehr. So schritt man den im Jahre 1897 unter dem Bürgermeister Georg Bücherl an die Gründung einer solchen. Im Jahre 1918 sollte dann auch eine Vereinsfahne angeschafft werden. Die Feuerwehr Irlach wollte hiermit an dem in diesem Jahr stattfindenden Kriegerfeste mit Feldgottesdienst teilnehmen. Leider scheiterte dieses Vorhaben an den Anschaffungskosten, so dass die Erstehung einer Fahne, die gegenwärtig im heutigen Schulhause aufbewahrt wird, dem Verein erst im Jahre 1919 gelang. Im Juni 1930 sollte sich alsbald der Segen einer eigenen Feuerwehr zeigen, als im Anwesen Irlach Nr. 1 Eigentum der Pregler (genannt „Hanni“) Feuer entstand. Über die Entstehungsursache ist nichts bekannt geworden. Heute ist die Organisation der hiesigen Feuerwehr vollkommen befriedigend, so dass nachfolgender Spruch Wahrheit behält: „Einer für alle, alle für einen!“
10. Wasserversorgung:
Mit Trink- und Kochwasser ist unsere Dorfgemeinde entsprechend versorgt. Fast in jedem bäuerlichen Anwesen ist ein Pumpbrunnen mit Brunnenschacht vorhanden. Wohl aber scheinen diese Brunnenwasser den menschlichen Ansprüchen nicht zu genug zu entsprechen, der sie der Hauptsache nach nur zum Waschen, Putzen und zum Tränken des Viehs Verwendung finden. Das Koch- und Trinkwasser wird eimerweise aus dem Dorfbrunnen geholt, der sich in der Nähe des Dorfweihers befindet. Dieses Wasser aus dem der Allgemeinheit dienenden Dorfbrunnen zeichnet sich vor allem durch seine ausgezeichnete Frische und Bekömmlichkeit aus. Löschwasser bei etwaigen Feuersbrüsten liefern der Dorfweiher und die gesamten Dorfbrunnen. Im Jahre 1930 fasste die Gemeinde Irlach den Plan zum Bau einer eigenen Wasserleitung. Gespeist sollte sie werden aus den reichen Wasseradern um Hoffeld. Die Kosten zum fraglichen Bau beliefern sich ungefähr auf 35000 M. Da Osthilfegelder nicht vorhanden und nicht aufzubringen waren, sollte die Gemeinde diese zum Bau notwendige Summe selbst bestreiten. Dies war jedoch bei den bestehenden Zeiten nicht möglich und so musste notgedrungen der Wasserleitungsbau unterbleiben. Heute ist die Gemeinde Irlach froh, dass es nur beim Versuch des Unternehmens blieb, da sogar die aus dem Kapital entstehenden Zinsen nicht mehr aufbringlich wären.
In den Monaten Juli – August des Jahres 1924 wurde in Irlach das elektrische Licht eingerichtet.
11. Vom Glaubensleben unserer Gemeinde:
Die Bewohner Irlachs sind ohne Ausnahme katholischen Glaubens. Wie schon eingangs der Ortsgeschichte erwähnt, gehört unsere Gemeinde zur Pfarrei Tiefenbach. In Irlach selbst steht nur eine kleine Kapelle, die im Erbauungsjahr nur ein Holzdach und einen Schindelturm erhielt. Erst vor einigen Jahren wurde das Kirchlein mit einem Blechdach und einem Blechturm bedacht. Das Innere der Kapelle ist den örtlichen Verhältnissen nach schmachvoll eingerichtet. Auf einfachem Altar thront die Gottesmutter im Rosenkranz und an beiden Seitenwänden sind auf sinnvollen Bildern die Stationen des Kreuzweges dargestellt. Im Türmlein hängt eine mittelgroße Glocke, die täglich zu Gottes Preis und Ehr ihre geweihte Stimme ertönen lässt. Ein größeres Gotteshaus besitzt Irlach leider nicht. Doch befasste man sich schon einmal mit dem Bau eines solchen. In den Vorkriegsjahren 1911- 1912 wurde der dem Landwirt Michael (B)Plattmeier gehörigen große freie Platz vor dem hiesigen Schulhause um den Betrag von 125 M angekauft. Schon vor dem Kriege wurden durch Haussammlungen zum Kirchenbau stattliche 4000 M zusammengebracht. Doch das Schicksal hatte mit den Irlachern anderes vor. Der Weltkrieg kam und mit ihm eine harte, schwere Zeit. Die wehrhaften Männer und Jünglinge mussten zu den Waffen. Der Kirchenbau sollte verschoben werden und die vorhandenen 4000 M würden ja auch bis Ende Zinsen tragen. Das Kriegsende kam und nach ihm die Inflation, die alles sauer Verdiente ja verschlang. Der Kirchenbau blieb damals ein Versuch und nur der große Platz vor dem Schulhause erinnert daran. Gegenwärtig im Jahre 1932 sind abermals Verhandlungen wegen eines Kirchenbaues im Gange, deren Erfolge noch nicht zu übersehen sind. Möge Gott uns Irlachern zu unserem längst gehegten Wunsche verhelfen.
12. Straßen und Wege:
„Irlach liegt mitten in der Welt“, sagt ein altes einheimisches Scherzwort, das nicht einmal so unrecht hat. Steigen wir auf den Schlosshügel und halten Umschau, so liegt unser Heimatort tatsächlich inmitten des Gesichtskreises. An der Peripherie desselben liegen die Orte: Waldmünchen, Treffelstein, Biberbach, Hiltersried, der Schwarzwihrberg, Thanstein, Kulz, Winklarn, der Frauen- und Reichenstein und Tiefenbach. Nehmen wir Irlach als Mittelpunkt des Ansichtskreises, so laufen strahlenförmig nach den genannten Orten Straßen und Wege. So führt eine Distriktstraße von Waldmünchen über Tiefenbach, Irlach, Haag, Winklarn und Oberviechtach. Verbindungswege führen von:
Irlach nach Hiltersried
Irlach nach Heinrichskirchen
Irlach nach Einöde Plößhof
Irlach – Hoffeld – Altenschneeberg
Diese genannten, in gutem Zustande befindlichen Wege bilden beliebte Spaziergänge in den warmen Jahreszeiten. Ein besonders bevorzugter Ausflugsort ist Hoffeld mit seiner etwa an die 400 Jahre alte Linde. Dieser mächtige, gewaltige Baum mit seiner umfangreichen schattigen Krone wurde von Unwettern schon arg heimgesucht, so dass Stamm und Äste des öfteren ausgemauert werden mussten. In früheren Jahren waren auf den Riesenästen des Lindenbaumes Bänke und Tische angebracht, zu denen einen Holztreppe empor führte. Ohne jeglichen Bedenken belustigten sich die Gäste in dem kühlen Laubdache mit Bier und Wein und sagen auf ihrem Hochsitz fröhliche Lieder. Heute wird der Baum nicht mehr bestiegen, aber seine Krone überschattet Bänke und Tische zur ebenen Erde und breitet seine Äste schützend über sommerliche Wanderer. Aus Nord und Süd, aus Ost und West des Vaterlandes strömen Ausflügler nach Hoffeld.
Ein schlichter Vers sei dem Ort geweiht:
Hoffeld du mein Heimatland,
Weit und Breit bist du bekannt,
Du edle Zier der Oberpfalz,
Mein einziger Wunsch sei „Gott erhalt`s!“
Du Schlossberg einer Hochburg gleich,
Der Schirm und Hort im Deutschen Reich,
Wer sich in deinem Schatten kühlt,
Sich wie daheim bei Mutter fühlt,
Was Du erlebt in langer Zeit
Schwingt sich still aus in Ewigkeit,
Doch deiner Linde wetterhart,
Berichtet uns von Deutscher Art,
Von Deutscher Art und deutscher Ehr`
Von Deutscher Sitt` und – noch viel mehr.
(vom Verfasser)
Schlusswort
Diese vor uns liegende Ortsgeschichte der Dorfgemeinde Irlach wurde angefertigt in der Zeit von Oktober von Dezember 1932. Sie soll nur als Grundstock einer Ortsgeschichte gedacht sein, an dem aufzubauen die Pflicht eines jeden dazu Berufen ist.
Möge Gottes Segen ruhen über unserer Heimatgemeinde, Heimatflur und unserer Heimatvölker.
Irlach, 26. Dez. 1932 Leonhard Daiminger